| Friday, 04.10.2019 Theorien des Liminalen

Inszenierungen der Schwelle? Orientalisierende Bauten des späten 19. Jahrhunderts an der ehemaligen habsburgisch-osmanischen Grenze

Im nördlichen Bosnien findet sich im Grenzbereich zu Kroatien eine auffällige Dichte von Gebäuden in einem exotisierenden Stil, der in der landessprachlichen Literatur in der Regel „pseudomaurisch“ genannt wird. Funktionstypologisch handelt es sich bei den meisten Objekten entweder um Amtshäuser oder um islamische Kult- und Bildungsbauten. Die allermeisten datieren aus den 1890er Jahren und wurden von in Wien ausgebildeten Architekten und Ingenieuren entworfen.
Mein Aufsatz prüft Gesetzmäßigkeiten bezüglich der Anhäufung von orientalisierenden Bauwerken in dieser Region. Waren sie als Erinnerungen an die traditionelle Liminalität des Gebiets (nämlich als „Zivilisationsgrenze“ von Christentum und Islam) beabsichtigt? In diese Richtung gehen jedenfalls bisherige Deutungsversuche. Aber hätten sie dadurch nicht einen Riss festgeschrieben, den es genau zu jener Zeit in Politik, Wirtschaft und Kultur abzubauen galt? Mein Beitrag widmet sich diesem Widerspruch und sucht nach alternativen Sinndeutungen.